Liedermacher, Barde, Chansonnier: Wer auf Stephan Krawczyks Kunst stößt, wird immer wieder mit Zuordnungen dieser Art konfrontiert, die jede für sich schon eine Menge Anlass böten, hinzuhören. Sie haben aber den Nachteil, dass sie alle zwar zutreffen, doch erst im Ensemble das ganze Talent dieses Künstlers erfassen. Denn Krawczyk ist nicht nur ein meisterhafter Kompositeur, der auf kraftvolle wie zarteste Verse anderer kraftvolle und zarte Melodien schreibt – er ist selber ein Dichter, der sich der Welt, die er besingt und beschreibt, nicht nur radikal ausliefert, er reflektiert sie auch radikal: im ästhetischen Spiel wie dramatischen Kommentar, in der Melancholie des Wissenden wie in der Sehnsucht des Naiven. Eben deshalb ist er auch kein Dogmatiker der Disharmonie, geschweige denn ein sentimentaler Harmoniker. Aber was er ist, verschweigt er nie und seine Kunst erst recht nicht: ein Tröster im Trostlosen, ein Liebender im Lieblosen, ein Herzensreicher im Herzlosen. (Ulrich Schacht) 

 

 

 

 

"Der Hase wächst zum Hasen, 

das Schwein, es wächst zum Schwein,

nicht das zu werden, was er ist,

kann nur der Mensch allein."

 

 

OTZ, 20.5.2016 - von Guido Berg

Drei Dinge sind klar nach den ersten Liedern: Krawczyk ist ein begnadeter Gitarrist. Mit der deutschen Sprache kann er so gut wie Lindenberg oder Brecht. Und er ist zu sensibel, um nicht außer sich zu sein vor Zorn. Er ist ein Seismograph der Verlogenheit und Heuchelei jeder Zeit. Der vor 1989. Der danach. „Endlich sagt‘s mal jemand!“, hat ihm mal ein Konzertbesucher zugerufen. Zu Glyphosat zum Beispiel. Das wird wohl weiter zugelassen, weil die Weltgesundheitsorganisation ein Gutachten hat. Es sei nicht krebserregend. „Diese Schweinebande!“, donnert der 60-Jährige, diese WHO, „die Konzern­interessen vertritt!“

Oder DDR-Nostalgie. Krawczyk: „Die Romantisierung dieser Zeit ist nicht auszuhalten!“ Auch dieses „Gewöhne an die neue Zeit, diese Schönfärberei!“ missfällt ihm. Krawczyk erinnert sich an Briefe, die er seiner Freundin schrieb, als er bei der Armee war. Briefe der Sehnsucht, die sie stillte „beim nächsten Urlaub“. Heute schicken sich die Liebenden Smileys, „keine schöne Entwicklung“. Er fragt: „Ist das Absicht, dass uns die Sprache abhanden kommt?“

 

Hier der Link zu einem Kurzfilm im Theater Brandenburg November 2014

http://www.skb-tv.de/news/stephan-krawczyk-ruckblick-die-ddr/